In den vergangenen Wochen sind bei uns mehrere Schreiben eingegangen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Ein Hersteller hochwertiger Abdichtungssysteme kündigt zum 1. Juli 2026 die nächste Preisanpassung an. In einem laufenden Berliner Sanierungsprojekt steht ein Nachtrag für die Entsorgung von Schadstoffen zur Abstimmung. Und bei der Begehung von Bestandsgebäuden sehen wir Schäden, die sich seit dem letzten Termin spürbar weiterentwickelt haben.
Drei Beobachtungen, ein gemeinsamer Befund: Wer ein Sanierungsprojekt vor sich herschiebt, zahlt am Ende mehr. Das ist keine Verkaufsbotschaft. Es ist das Ergebnis von drei Entwicklungen, die unabhängig voneinander laufen und alle in dieselbe Richtung zeigen.
Die Materialpreise steigen weiter
Hersteller von Beschichtungs- und Abdichtungssystemen haben in den letzten Jahren mehrfach Preisanpassungen angekündigt. Die Begründungen ähneln sich von Mal zu Mal: Rohstoffkosten, Energie, regulatorische Anforderungen. Die nächste Stufe ist bereits für Sommer 2026 angekündigt. Für ein Sanierungsprojekt heißt das schlicht: Dasselbe Material kostet in zwei Jahren mehr als heute.
Die Schadstoffentsorgung wird strukturell teurer
Gebäude aus den 1960er- bis 1990er-Jahren enthalten fast immer Materialien, die heute als Schadstoff gelten: Asbest, alte teerhaltige Bitumenbahnen, künstliche Mineralfasern. Sie müssen fachgerecht entsorgt werden, und genau diese Entsorgung verteuert sich seit Jahren. Mehrere Ursachen wirken zusammen: ein CO₂-Aufschlag auf die Lkw-Maut, die Einbeziehung der Abfallverbrennung in den CO₂-Preis, strengere Vorgaben für die Verwertung von Bauabfällen und schrumpfender Deponieraum bei langen Genehmigungszeiten für neue Standorte.
Das unterscheidet diese Entwicklung von einem Konjunkturzyklus. Es ist eine strukturelle Verschiebung, und sie kehrt sich nicht um.
Der Schaden selbst wächst
Die dritte Entwicklung hat eine andere Mechanik. Sie betrifft den Umfang der Arbeit, die überhaupt anfällt. Wenn salzhaltiges Wasser über Jahre in ungeschützten Stahlbeton eindringt, wandert die Korrosion immer tiefer in das Bauteil. Dieser Vorgang läuft im Inneren ab, oft lange ohne sichtbare Anzeichen an der Oberfläche. Was heute eine überschaubare Abdichtungs- und Beschichtungsmaßnahme wäre, wird in einigen Jahren eine umfangreiche Betoninstandsetzung. Im ungünstigsten Fall wird daraus ein Thema für die Statik. Jede dieser Stufen kostet ein Mehrfaches der vorigen.
Was das für Eigentümer bedeutet
Zwei der drei Entwicklungen verteuern jede einzelne Leistung. Die dritte vergrößert den Umfang der Leistung, die überhaupt nötig wird. Zusammen ergibt das eine einfache Rechnung: Wer heute saniert, plant mit den heutigen Bedingungen. Wer fünf Jahre wartet, plant mit den dann gültigen, also mit teurerem Material, teurerer Entsorgung und einem größeren Schaden.
Wir empfehlen, Sanierungsentscheidungen am Schadensbild und am Risiko auszurichten. Die Kassenlage sollte dabei nicht der einzige Taktgeber sein. Der sinnvolle erste Schritt ist eine fachliche Einschätzung durch einen Sachkundigen Planer für Betoninstandsetzung. Er nimmt den Zustand auf und zeigt, wie dringend gehandelt werden muss. Bei größeren Objekten und Eigentümergemeinschaften lohnt es sich, eine mögliche Sonderumlage früh einzuplanen, weil der Beschluss in der Eigentümerversammlung Vorlauf braucht.
Gern verschaffen wir Ihnen bei einer kostenlosen Erstbegehung einen ersten Überblick über den Zustand Ihres Objekts und empfehlen bei Bedarf einen passenden Sachkundigen Planer aus unserem Netzwerk.

